Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte tiefgreifende Veränderungen auf der politischen Landkarte Europas mit sich. Auf dem Gebiet der besiegten Österreichisch-Ungarischen Monarchie entstanden aus ihren Völkern neue Staaten, darunter auch der gemeinsame Staat der Slowaken und Tschechen – die Tschechoslowakische Republik. Der junge Staat musste sich nicht nur mit der weltweiten Wirtschaftskrise auseinandersetzen, sondern auch mit der außenpolitischen Haltung seiner Nachbarländer. Dies führte zum Aufbau einer starken Armee und einer leistungsfähigen Wirtschaft. In der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre war die Tschechoslowakei der weltweit größte Hersteller und Exporteur von Waffen. Als Adolf Hitler in Deutschland an die Macht kam, begann die Tschechoslowakei mit umfangreichen Verteidigungsvorbereitungen. Ab 1935 wurden die Staatsgrenzen durch ein System von Grenzbefestigungen gesichert. Massive Stahlbetonbunker mit modernster Bewaffnung und Ausstattung sowie ein komplexes System aus Panzer- und Infanteriehindernissen sollten den ersten Angriff eines Gegners zuverlässig abwehren. Die Gelegenheit, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, erhielten diese Befestigungen jedoch nie. Auf der Münchner Konferenz im September 1938 beschlossen die europäischen Großmächte, dass die Tschechoslowakei zur Wahrung des Friedens in Europa ihre Grenzgebiete kampflos an Deutschland abtreten sollte. Diese Ereignisse machten nicht nur den Ausbau der Befestigungen und die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Verteidigung zunichte, sondern leiteten zugleich das Ende der jungen Republik und den Beginn eines der verheerendsten Kriege der modernen Menschheitsgeschichte ein. Zum tschechoslowakischen Befestigungssystem der Jahre 1935 bis 1938 gehörte auch die Verteidigung des Brückenkopfes von Bratislava sowie der Ufer der March (Morava). Entlang der heutigen slowakisch-österreichischen Grenze stehen noch immer mehr als 150 Objekte der leichten Befestigungslinie. Einige von ihnen sind leicht zu finden, andere liegen verborgen in dichtem oder schwer zugänglichem Gelände. Manche werden von ihren Eigentümern sogar zu Museen umgestaltet. Im Brückenkopfgebiet von Bratislava, also im heutigen Stadtteil Petržalka, wurden insgesamt 25 Militärbunker errichtet. Der Bau erfolgte in zwei Etappen. Neun Bunker entstanden bereits zwischen 1933 und 1935, also noch vor Beginn des flächendeckenden Befestigungsprogramms der gesamten Tschechoslowakei. Diese Bunker der sogenannten Šnejdárek-Linie zeichneten sich durch eine ungewöhnliche Konstruktion aus und sind in dieser Form nirgendwo sonst im Land zu finden. In den Jahren 1936 bis 1938 begann in Petržalka der Bau moderner Befestigungsanlagen nach den offiziellen Festungsbauplänen. Dabei entstanden auch mehrere schwere Befestigungswerke, die sich bis heute erhalten haben. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Bauzeit und des durch das Münchner Abkommen erzwungenen Baustopps stellen diese Anlagen innerhalb der Slowakei eine Besonderheit dar. Interessant ist auch die Bedeutung der Bezeichnungen einzelner Bunker (B-S 1 „Štěrkoviště“, B-S 3 „Paseka“ usw.). Der erste Buchstabe „B“ kennzeichnet den Befestigungsabschnitt, in dem sich die jeweiligen Bunker befanden. Die Abschnitte wurden in der Regel nach der zuständigen Bezirksstadt benannt. In diesem Fall steht das „B“ schlicht für Bratislava. Zudem ist anzumerken, dass die Bezeichnung „Bunker“ zur Zeit ihrer Entstehung lediglich umgangssprachlich verwendet wurde. In der militärischen Terminologie wurden diese Bauwerke als „Sruby“ (deutsch etwa „Kampfbunker“ bzw. „Festungswerke“) bezeichnet. Der Begriff geht auf die Zeit der Hussitenkriege zurück, als die hussitischen Truppen befestigte Stellungen aus Erdwällen, Steinen und Holz errichteten. Die Tschechoslowakei verdankte ihre Entstehung maßgeblich den tschechoslowakischen Legionen, die auf Seiten der Entente kämpften und wesentlich zur Niederlage der Mittelmächte beitrugen. Diese Legionen beriefen sich bewusst auf das historische Erbe der Hussiten, da sie Parallelen zwischen deren Kampf für Unabhängigkeit im 15. Jahrhundert und ihrem eigenen Kampf um nationale Freiheit im Ersten Weltkrieg sahen. Daher stammt die Bezeichnung „Srub“. Auf den Buchstaben „S“ folgt die laufende Nummer des jeweiligen Bauwerks innerhalb der Befestigungslinie. In Petržalka wurden insgesamt 25 Bunker errichtet. Die Anlagen der ersten Linie waren mit arabischen Zahlen nummeriert, jene der zweiten Linie mit römischen Zahlen. Hinzu kamen vier Bunker, die als Standorte für die Kompaniegefechtsstände dienten. Darüber hinaus erhielt jeder Bunker einen Tarnnamen, der sich auf markante Landschaftsmerkmale oder charakteristische Objekte in seiner Umgebung bezog (Paseka, Vrba, Cvičiště, Hřbitov usw.). Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall des Warschauer Pakts wurden die Bunker in Petržalka im Laufe der 1990er-Jahre schrittweise von der Armee aufgegeben. Mit dem Ende der Grenzsicherung und der Einstellung der Instandhaltung war es erstmals seit Jahrzehnten wieder möglich, diese Gebiete frei zu betreten und die geheimnisvollen Militäranlagen zu erkunden, die damals vielerorts noch über ihre ursprüngliche Ausstattung verfügten. Leider führten mangelnde Pflege und das geringe Interesse staatlicher Stellen dazu, dass ein Großteil dieser Ausstattung gestohlen und in ausländische Militärmuseen verbracht wurde. Gleichzeitig wurden viele Bunker durch illegale Müllablagerungen beschädigt und verschmutzt. Glücklicherweise fanden sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrere engagierte Enthusiasten zusammen, die Bürgervereine gründeten und mit der Restaurierung sowie der öffentlichen Zugänglichmachung einiger dieser Anlagen begannen. Heute lassen sich zahlreiche Bunker nicht nur problemlos auffinden, sondern auch als interessante Museen besichtigen. Der Bunker B-S 4 nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Er ist bislang der einzige Bunker, der originalgetreu in seinen historischen Zustand zurückversetzt wird. Seine Betreiber beschaffen fortlaufend authentische Ausstattungsgegenstände, und das Objekt kann im Rahmen fachkundig geführter Besichtigungen besucht werden.