Zweiter Weltkrieg

Im Herbst 1944 näherte sich die Ostfront in bedrohlichem Ausmaß dem Gebiet der Ostslowakei. Aus diesem Grund begannen Ende September unter Aufsicht der deutschen Wehrmacht umfangreiche Befestigungsarbeiten auf slowakischem Territorium. Für diese Arbeiten wurde die slowakische Zivilbevölkerung in Zusammenarbeit mit militärischen Baueinheiten herangezogen. In der Westslowakei begann man im Oktober 1944 mit dem Bau von Befestigungen entlang der Grenze zur deutschen Schutzzone. Diese verliefen überwiegend entlang des Hauptkamms der Kleinen Karpaten sowie entlang des Flusses March (Morava). Ende November 1944 erließ das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) den Befehl zum Ausbau der Befestigungen von Bratislava. Städte von besonderer strategischer Bedeutung wurden zu sogenannten „Festungen“ erklärt. Zu diesen gehörte auch Bratislava, das sich unmittelbar am Schnittpunkt der im Bau befindlichen deutschen Verteidigungslinien Südostwall und Nibelungen-Stellung befand. Aus diesem Grund wurde die Stadt offiziell zur „Festung Pressburg“ erklärt. Geplant war der Aufbau einer Rundumverteidigung, die es Bratislava ermöglichen sollte, einer Einkesselung über mehrere Monate hinweg standzuhalten. Um die Verteidigungsstellungen möglichst schnell fertigzustellen, sollte dabei auf bereits vorhandene militärische Anlagen zurückgegriffen werden. In das Verteidigungssystem sollten sowohl Befestigungen aus dem Ersten Weltkrieg (Kavernen und Unterstände) als auch Anlagen aus der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik (Bunker in Petržalka und entlang der March) integriert werden. Diese bestehenden Bauwerke sollten durch Panzergräben und Schützengräben miteinander verbunden werden, sodass durchgehende Verteidigungslinien entstanden. Ab Dezember 1944 wurden rund um Bratislava und in der gesamten Westslowakei zahlreiche Feuerstellungen, Schützengräben, Beobachtungsposten, Straßensperren sowie Systeme von Panzer- und Infanteriehindernissen errichtet. Viele dieser deutschen Befestigungselemente sind in der Region Bratislava bis heute erhalten geblieben, werden jedoch zunehmend von der Natur überwuchert oder durch Bautätigkeit und Urbanisierung verdrängt. An den östlichen Ausläufern der Kleinen Karpaten finden sich noch immer große Betonblöcke als Panzerhindernisse, die einst Straßen und Zufahrtswege sperrten. Ebenso sind entlang einiger älterer Straßen auffällige Betonfundamente sichtbar, die aus dem Boden ragen. Dabei handelte es sich um Sockel für deutsche Straßensperren – massive Stahlbetonblöcke, die im Bedarfsfall von ihren Fundamenten gestürzt werden sollten, um Verkehrswege zu blockieren. Reste dieser Anlagen finden sich beispielsweise an der Straße nach Píla, auf der Strecke von Modra-Harmónia nach Piesok, in Vinosady, am Ortseingang von Limbach, am Beginn und Ende von Svätý Jur, in Bratislava in der Janoškova-Straße, an der Vrakunská cesta im Bereich Pod gaštanmi sowie in Petržalka. In Svätý Jur befinden sich darüber hinaus die einzigen erhaltenen Panzerhindernisse der Verteidigung von Bratislava in Form der sogenannten „Drachenzähne“. Unter den Feuerstellungen sind insbesondere die Kugelstände und die Panzerabwehrmauern hervorzuheben. Ein Kugelstand (auch Kugelbunker) besitzt die Form einer hohlen Betonkugel mit abgeflachtem oberen Bereich. Diese Bauwerke waren bis zur Geländehöhe eingegraben, durch Schützengräben miteinander verbunden und dienten als befestigte Maschinengewehrstellungen. Häufig findet man sie heute ausgegraben und umgestürzt. Einzelne Exemplare befinden sich in Viničné, Senec und Čierna Voda. Die größte Konzentration befindet sich jedoch eindeutig in Petržalka, insbesondere im Gebiet Starý háj. Dichte Vegetation und Sedimentablagerungen der Donauhochwässer haben diese Relikte inzwischen beinahe vollständig überwuchert. Sichtbar sind sie jedoch noch bei zwei Militärmuseen: ein freigelegter Kugelbunker beim Bunker B-S 6 sowie drei im Boden eingelassene Exemplare beim Bunker B-S 4. Die Panzerabwehrmauern bestehen aus massiven Stahlbetonwänden mit einer mittig angeordneten Schießscharte für eine 4,5-cm-Panzerabwehrkanone. Diese für Festungsanlagen vorgesehenen sowjetischen Geschütze wurden in solchen Stellungen in großer Zahl bei der Verteidigung von Bratislava eingesetzt. Viele dieser Bauwerke mussten der fortschreitenden Stadterweiterung weichen, zahlreiche Anlagen sind jedoch noch heute auffindbar. Eine befindet sich am Hang der Martinengova-Straße, zwei weitere in der Straße Zátišie zwischen Tetmayerova und Halašova. Weitere Überreste finden sich am Kuchajda-See sowie in der Turbínová-Straße. Die größte Konzentration liegt jedoch erneut in Petržalka, wo sich vier dieser Panzerabwehrmauern erhalten haben. Im Jahr 2024 gelang es, eine dieser Mauern in Petržalka, die sich auf der geplanten Trasse einer Straßenbahnlinie befand, freizulegen und um mehrere Meter zu versetzen. Dieses Projekt stellt ein gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit von Geschichtsinteressierten, der Stadtverwaltung und dem Investor dar und zeigt, wie sich Denkmalpflege und moderne Stadtentwicklung miteinander verbinden lassen. Die größte Anzahl von Überresten der Befestigungsanlagen auf dem Gebiet einer einzigen Lokalität befindet sich eindeutig in Petržalka. Beim Bunker B-S 4 befinden sich Kugelbunker, beim B-S 6 sowohl ein Kugelbunker als auch Kochbunker. In der Nähe des B-S 7 befindet sich ein einzigartiges Panzerübungsziel in Form eines gemauerten Panzermodells sowie eine Panzerabwehrmauer. Beim B-S 8 befinden sich gleich zwei Panzerabwehrmauern sowie ein universeller Betonsockel für ein Geschütz. Die außergewöhnliche Verteilung und Konzentration dieser Befestigungselemente im nordwestlichen und westlichen Teil von Petržalka, zwischen den Bunkern B-S 1 und B-S 9, prädestiniert dieses Gebiet für die Einrichtung eines attraktiven militärhistorischen Lehr- und Erlebniswegs.