Nach dem Ausbruch des Großen Krieges im Juli 1914 (die Bezeichnung „Erster Weltkrieg“ wurde erst nach 1939 gebräuchlich) gewann Bratislava strategische Bedeutung. Die Stadt stellte das letzte Hindernis für den erwarteten Vormarsch der russischen Zarenarmee in Richtung Wien dar. Ein erfolgreicher Vorstoß der russischen Truppen hätte ihnen ermöglicht, ohne größeren Widerstand das zentrale Gebiet Ungarns sowie die Regionen Mähren und den österreichischen Teil der Monarchie zu erreichen. Die Befestigungsanlagen sollten die Donaubrücke sichern, den Übergang der zaristischen Truppen über die Donau verhindern und zugleich eine Einkesselung Wiens verhindern. Verfasser des Gesamtprojekts der Feldbefestigungen von Bratislava war der Armeegeneral (damals Major) František Škvor. Für das Gesamtkonzept wurden detaillierte Pläne der einzelnen Widerstandsnester, Typologien der Unterstände, der Feuerstellungen, der Anzahl und Arten der Waffen sowie Berechnungen des Personal- und Materialbedarfs ausgearbeitet. Die nahezu 50 Kilometer lange Verteidigungslinie rund um die Stadt bestand aus fünf Verteidigungsabschnitten. Die ausgewählten Standorte boten hervorragende Voraussetzungen für Beobachtung und Zielaufklärung sowie für die Rundumverteidigung der Stadt durch weitreichendes Artilleriefeuer. Die Abschnitte bestanden aus einem System von Schützengräben, befestigten Artilleriestellungen, Stacheldrahthindernissen und dauerhaften Befestigungsanlagen, die als Munitionslager und Unterkünfte für die Artilleriebesatzungen dienten. Die Schutzräume wurden je nach Geländebeschaffenheit entweder als Kavernen oder als Unterstände errichtet. Kavernen wurden vor allem im hügeligen Gelände des nördlichen und westlichen Stadtgebiets angelegt, während Unterstände überwiegend im flachen Gelände am östlichen und südlichen Stadtrand von Bratislava entstanden. Die Kavernen wurden entweder bergmännisch in den Fels getrieben und anschließend mit einer Betonauskleidung versehen oder in offenen Baugruben gemauert, mit Eisenträgern überdeckt und anschließend mit Erdreich überschüttet. Von den in den Fels getriebenen Kavernen sind lediglich einige über ihre gesamte Länge betoniert (Standorte Kamzík und Rössler-Steinbruch). Bei den übrigen wurde lediglich das Eingangsportal betoniert, während der restliche Hohlraum in seiner ursprünglichen, aus dem Fels herausgebrochenen Form erhalten blieb. Nach ihrer Größe lassen sich die Kavernen in kleine und große Typen unterteilen. Kleine Kavernen verfügen über einen Eingang, einen abgewinkelten Zugangsgang und einen einzelnen Raum. Große Kavernen besitzen mehrere Eingänge und Räume. Derartige Anlagen wurden bislang ausschließlich an den Standorten Sitina und Kamzík nachgewiesen. Eine einzigartige Kaverne dieses Typs ist die vollständig fertiggestellte Anlage am Kamzík mit vier Eingängen und zwei Ebenen. Die Unterstände waren vollständig aus Beton oder teilweise aus Mauerwerk (Wände) mit Betondecken errichtet und vollständig in das Gelände eingelassen. Sie verfügten über einen rechteckigen Grundriss mit einem geschützten Eingang. Die Unterstände waren in Blockbauweise errichtete Bauwerke mit einem rechteckigen Grundriss von etwa 6 × 18 Metern und seitlichen Nischen in der rückwärtigen Wand. Die Bauwerke waren in das Gelände eingebettet, der Eingangsbereich war überdeckt, und sie wurden entweder vollständig aus Beton oder in Ziegel-Beton-Bauweise errichtet. Kavernen und Unterstände wurden bis zum Ende des „Großen Krieges“ im Jahr 1918 instand gehalten. Da es zu keinen Kampfhandlungen um Bratislava kam, blieb die gesamte Verteidigungslinie nach Kriegsende unbeschädigt erhalten. Nach der Gründung der Tschechoslowakei verloren die Anlagen jedoch ihre militärische Bedeutung, blieben ungenutzt und gerieten allmählich in Vergessenheit. Ein Teil dieser Objekte wurde von der deutschen Wehrmacht in den Jahren 1942 bis 1945 als Infrastruktur für Artilleriebatterien an exponierten Stellungen genutzt. Heute sind noch etwa 75 % der ursprünglich errichteten Anlagen erhalten. Dabei handelt es sich vor allem um Kavernen und Unterstände im westlichen, nordwestlichen und nördlichen Teil der Stadt, die sich weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten haben. Der östliche und südliche Teil der Stadt (Nové Mesto, Ružinov und Petržalka) erfuhr in den 1960er- und 1970er-Jahren tiefgreifende Veränderungen. Im Zuge des Baus von Wohnsiedlungen und Verkehrsinfrastruktur wurde eine beträchtliche Anzahl der Anlagen zerstört. Die meisten Objekte befinden sich heute noch im Originalzustand, jedoch ohne Instandhaltung oder Sicherungsmaßnahmen. Sie sind frei zugänglich, wobei die Eingänge häufig teilweise verschüttet sind. Notausstiege, die unter Ästen und Laub verborgen liegen, können eine erhebliche Absturzgefahr darstellen. Bei einer eigenständigen Besichtigung der Anlagen ist daher besondere Vorsicht geboten. Von den insgesamt erhaltenen Objekten befinden sich vier in der Verwaltung des Vereins OZ Bunkre (drei Kavernen und ein Unterstand). Diese Anlagen wurden restauriert und sind für die Öffentlichkeit zugänglich.